Parkanlage

DIE PARK-ANLAGE HOHENSTEIN – EIN LEBENDES DENKMAL

Erstellung eines Gartendenkmalpflegerischen Gutachten zur Park-Anlage Hohenstein durch Patrick Pauli vom Institut für Landespflege der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.

Bei der Park-Anlage „Hohenstein“ in Murrhardt (mit der Villa Franck inkl. Nebenanlagen und Nebengebäude) handelt es sich ein als Sachgesamtheit betrachtetes Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung (§ 12 DSchG). Der etwa 7 Hektar große Park Hohenstein befindet sich im Besitz mehrer Eigentümer. Der größte und landschaftlich geprägte Parkbereich gehört der Seniorenhaus Hohenstein GmbH. Die stark geometrisch angelegten und in Erbpacht befindlichen Parkareale in unmittelbarer Nähe zur Villa Franck gehören Herrn Patrick Siben. Eigentümerin des im Westen gelegenen Parkareals ist die Stadt Murrhardt, wobei hier der nördliche Teil nicht in die Denkmalliste eingetragen wurde. Eine kleinere Fläche im Bereich der Michaelskirche ist der Christengemeinschaft zugehörig. Dieser Bereich, sowie der südlich gelegene Parksee, gehören gemäß der aktuellen Denkmalliste nicht mehr zum Kulturdenkmal. Eine Überarbeitung der Denkmalliste ist nach neuesten Erkenntnissen notwendig.


                


Aus diesem Grund besteht von Seiten des Landesamtes für Denkmalpflege beim Regierungspräsidium Stuttgart, Referat Gartendenkmalpflege, sowie der Haus Hohenstein GmbH als Teileigentümerin der Parkanlage großes Interesse, die Park-Anlage „Hohenstein“ gartendenkmalpflegerisch zu untersuchen und ein Konzept zur Inwertsetzung zu erarbeiten. Ein vom Landesamt für Denkmalpflege in Auftrag gegebenes Gutachten soll als „erster Baustein“ in einem Gesamtkollektiv von nachfolgenden Maßnahmen betrachtet werden. Die teilweise öffentliche Parkanlage des beginnenden 20. Jahrhunderts beinhaltet sowohl stark architektonische geprägte Gartenbereiche, wie auch überformte landschaftlich und der Natur empfundene Areale wie es bei Landschaftsgärten im englischen Stil üblich war. In diesem Zusammenhang erhielt das Institut für Landespflege der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg (Bearbeiter: Dipl.-Ing. Patrick Pauli und Dipl. Forstwirt Steffen Hering) vom Landesamt für Denkmalpflege Ref. Gartendenkmalpflege beim Regierungspräsidium Stuttgart den Auftrag, die historische Parkanlage der Villa Franck in Murrhardt gartendenkmalpflegerisch zu begutachten. Die Ergebnisse der Untersuchungen und die Formulierungen von Pflege-, Entwicklungs- und Erhaltungszielen eingeschlossener Parkbereiche liegen bis Ende des Jahres 2012 vor.


                


Kurze Zusammenfassung der Anlagengeschichte

An Quellen zur Anlagengeschichte der Park-Anlage „Hohenstein“ mangelt es nicht. In verschiedenen Besitztümern befindet sich eine Vielzahl an Primärliteratur sowie reichliche Dokumente wie Bautagebücher, Pflanzlisten, historische Entwurfs- und Bestandskarten, historische Fotografien der ausführenden Architekten und des Archivs der Familie Franck. Das Anwesen geht auf den Ludwigsburger Kaffeefabrikanten und Kommerzienrat Dr. Robert Franck zurück. Er ließ die Parkanlage in seinem Auftrag von den Stuttgarter Garten-Architekten und Landschaftsgärtner Albert Lilienfein & Sohn im Stil eines klassischen Villengartens zu Beginn des 20. Jahrhunderts erbauen. Die Anlage mit Villa und Nebengebäuden sollte als Zweit- und Sommerresidenz der Familie Franck dienen. Die Villa Franck wurde 1905 bis 1906 durch die Stuttgarter Architekten Professor Paul Schmohl und Baurat Georg Stähelin (Schmohl & Stähelinsche Bau GmbH) im Neobarocken Stil erbaut. Dazu zählen auch die Nebengebäude (Stallgebäude, Pförtnerhaus) sowie die in Stein gefertigten Treppenaufgänge zur Villa, die Wandelhalle, einige Gartendetails (Steinvase, Laube), den Tennisplatz mit Gartenhalle und einige Staffagen (Waldhaus, Schweizer Haus, Michaelsburg, Strohhaus, Geschirrhütte, Gartentempel, Parktor/Ost), die sich teilweise oder zumindest in Fragmenten noch im Park befinden.


                  


Die Villa Franck zählt zu einer der wichtigen Beispiele Stuttgarter Architekturen der Jugendstil Epoche. Die Parkanlage in direkter Nähe zur Villa zeigt ein stark architektonisch formales Gefüge von Gartenräumen. Die strenge Geometrie wurde historisch sicherlich von einer sehr malerischen Bepflanzung in Anlehnung an Gertrude Jekyll (1843-1932) und Sir Edwin Lutyens (1869-1944) überlagert. Der mehr landschaftlich-natürlich geprägte Park, der im Jahre 1907 fertig gestellt wurde, lud zu erholsamen Spaziergängen und Picknicken ein. Seine Singularität steht in der Bedeutsamkeit der Villa in nichts nach. Eine geschlungene Wegeführung durch offene und geschlossene Vegetationsbereiche erinnern an Jugendstilornamente. Die Wegestrukturen sind in einem LIDAR-Laserscan Bild, bis heute noch erkennbar. Plötzlich auftauchende Staffagen und Zierbrücken und ein Wechselspiel von Licht und Schatten kennzeichneten die Gestaltungsprinzipien Englischer Landschaft- und Landhausgärten. Bereichert wurde die Parkanlage durch eingebrachte Reitplätze, wobei auch hier eine dieser Platzsituationen im Bereich des Lust- oder Liebestempel ( der sogenannten „Elfenwiese“) noch vorhanden ist. Die geschickte Anordnung des Wegesystems lassen die Park-Anlage „Hohenstein“ größer erscheinen als sie in Wirklichkeit ist. Bei näherer Betrachtung ihrer Weiträumigkeit und dem Einbezug der umgebenen Natur- und Kulturlandschaft ist der Einfluss der Konzeption Englischer Landschaftsgärten deutlich sichtbar. Neben einer Trockenmauer aus Cannstatter Travertin in der Ausprägung eines Alpinums, Knüppelbrücken, einer künstlichen Grotte und einer sogenannten Himmelsleiter im anstehenden Fels findet sich eine Scheinruine (künstlicher Steinbruch), die den Zeitgeist des Naturideals widerspiegelt. Akzentuiert wird das ganze Ensemble durch die Einbringung heimischer sowie exotischer Gehölze und Sträucher in den Bestand. Im südlichen Bereich des Anwesens (oberhalb der heutigen Robert-Franck-Straße) wurde der Park durch Anlage eines Parksees mit einer Wassergrundfläche von 1205m² und einem Wasservolumen von 903 m³ ergänzt. Nach neusten Erkenntnissen wurde der See inklusive Badehäuschen mit Walmdach gleichzeitig mit der gesamten Grünanlage Hohenstein fertig gestellt.

Neben seiner kulturellen und geschichtlichen Bedeutung dient die Park-Anlage Hohenstein einer Vielzahl von Tierarten als Lebensraum. Seine naturschutzfachliche Wertigkeit, allein durch den hohen Anteil an Altbäumen, steht außer Frage. Seit seiner Blütezeit sind im Park der Villa Franck wenige Umgestaltungsmaßnahmen durchgeführt worden. Obwohl einige Bereiche aufgrund unterlassener oder dem Gartendenkmal nicht gerechter Pflege in einen desolaten Zustand gerieten, lässt sich die historische Botschaft der Anlage immer noch erkennen.

Parkpflege

Als zweiter Baustein ist die Erstellung eines Parkpflegewerkes im Frühjahr 2013 durch das Institut für Landespflege der Universität Freiburg geplant. Aus diesem Grund wurde die Arbeitsgemeinschaft (ArGe) Park-Anlage „Hohenstein“ in Kooperation mit der Stadt Murrhardt gegründet. Die Haus Hohenstein GmbH, als federführende Gesellschafterin, hat bereits einen Antrag auf Gewährung einer Zuwendung zur Erhaltung und Pflege des Kulturdenkmals beim Regierungspräsidium Stuttgart, Referat 86 – Denkmalpflege, gestellt. Als dritter Baustein soll die Umsetzung der Maßnahmen auf Grundlage des erarbeiteten Parkpflegewerks erfolgen. Begleitend ist die Information der Öffentlichkeit via Internetpräsenz (Homepage) zum Fortschritt weiterer Maßnahmen und Schritte. Dabei soll zum Beispiel auf den „Tag des offenen Denkmals“ 2013 hingewiesen werden, an dem verschiedene Veranstaltungen im Park rund ums Denkmal geplant sind. Weiterhin soll in Zusammenarbeit mit dem Institut für Landespflege und dem Landesamt für Denkmalpflege, Esslingen(Ref. Gartendenkmalpflege), die Ausrichtung eines Parkpflegeseminars erfolgen.


                


Kulturelle Veranstaltungen

Die Park-Anlage Hohenstein soll in regionaler und überregionaler Nachbarschaft an Bekanntheit gewinnen. Ganz im Sinne des Parkschöpfers Robert Franck soll die Anlage durch kulturelle Veranstaltungen belebt werden. In Zusammenarbeit mit dem Amtsleiter für Wirtschaft, Kultur und Tourismus der Stadt Murrhardt Uwe Matti, soll möglichst zeitnah ein Veranstaltungsprogramm erarbeitet werden.

Das Park-Projekt in der Murrhardter Zeitung

Bericht 1

Bericht 2

(Text und Bilder: Patrick Pauli)

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